Die Tanzplattform Rhein-Main bietet städteübergreifende Residenzen an – eine ganz besondere Form der Produktionsunterstützung. Dafür wählen das Hessische Staatsballett und das Künstlerhaus Mousonturm gemeinsam eine regionale Künstlerin bzw. einen regionalen Künstler aus, die/der eine neue Produktion in Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden entwickeln darf. Neben strukturellem und personellem Engagement ermöglicht und unterstützt die städteübergreifende Residenz die entstehende Produktion auch finanziell maßgeblich.

Im Anschluss an die Produktionsphase wird die neue Arbeit sowohl am Mousonturm als auch in einem der Häuser des Hessischen Staatsballetts präsentiert. Regionale Verankerung und internationale Vernetzung sind die zentralen Stichworte für die städteübergreifenden Residenzen: Die Partner der Tanzplattform Rhein-Main unterstützen die Künstlerinnen und Künstler auch bei der Suche nach anderen internationalen Koproduktionspartnern und vermitteln das Projekt nach der Premiere an weitere Spielorte.

Puppets_Titel
© Jörg Baumann

Paula Rosolen

Erste Residentin dieses Projektmoduls war die Frankfurter Choreografin Paula Rosolen, die im Rahmen einer städteübergreifenden Residenz ihr neues Stück „Puppets“ entwickelte. Rosolen hatte schon vor ihrer Residenz mit dem Hessischen Staatsballett und dem Mousonturm gearbeitet. In „Puppets“ setzt sie die Erforschung versteckter choreografischer Strukturen fort, die sie mit „Piano Men“ und „Libretto“ begonnen hat. Im Zentrum stehen die Bewegungen von Puppenspielern beim Führen von Puppen, die Rosolen auf ihre choreografischen Potentiale untersucht.

Während über viele Jahrhunderte, nicht zuletzt durch den berühmten Aufsatz „Über das Marionettentheater“ von Heinrich von Kleist, die Metapher der Puppe genutzt wird, um das Ideal eines vollständig manipulierbaren und beherrschbaren Tänzerkörpers zu beschreiben, richtet Rosolen den Blick nun auf die Körper, die eigentlich hinter den Puppen stehen. Rosolen interessiert sich dabei besonders für die Gruppenchoreografien, die entstehen, wenn mehrere Spieler eine große Puppe zusammenführen. Der emotionale Ausdruck der Puppe ebenso wie der harmonische Rhythmus entsteht durch eine besondere Form der zurückgenommenen Synchronisation der Spieler. Zur Vorbereitung des Stücks arbeitete Rosolen nicht nur in Frankfurt und Darmstadt. Sie war auch Residentin des Goethe-Instituts in der Villa Kamogawa in Kyoto und forschte dort zum japanischen Puppenspiel „Bunraku“.

Paula Rosolen studierte Tanz an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt sowie Choreografie und Performance an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich regelmäßig mit ignorierten Phänomenen in Tanz und Theater und untersucht diese auf ihre choreografischen Potentiale. In ihrem Stück „Aerobics! Ein Ballett in drei Akten“, mit dem sie den renommierten Preis „Danse élargie“ im Pariser Théâtre de la Ville gewann und zur Tanzplattform Deutschland 2016 eingeladen wurde, dekonstruiert sie die Bewegungsmuster von Aerobic und schließt sie mit Kompositionsprinzipien des romantischen Balletts kurz.

Paula Rosolens Arbeiten wurden in Deutschland sowie international in wichtigen Theatern und Festivals aufgeführt, u.a. bei ZKM Karlsruhe, Pact Zollverein, Frankfurt LAB, Künstlerhaus Mousonturm, Kampnagel, European Festival for Contemporary Dance Poland und Centro Cultural de la Cooperación in Buenos Aires.

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