Paula Rosolen, Puppets

Paula Rosolen: Puppets

Erste Residentin des Projektmoduls war die Frankfurter Choreografin Paula Rosolen, die im Rahmen einer städteübergreifenden Residenz ihr neues Stück Puppets entwickelte. Rosolen hatte schon vor ihrer Residenz mit dem Hessischen Staatsballett und dem Mousonturm gearbeitet. In Puppets setzt sie die Erforschung versteckter choreografischer Strukturen fort, die sie mit Piano Men und Libretto begonnen hat. Im Zentrum stehen die Bewegungen von Puppenspielern beim Führen von Puppen, die Rosolen auf ihre choreografischen Potentiale untersucht.

Während über viele Jahrhunderte, nicht zuletzt durch den berühmten Aufsatz „Über das Marionettentheater“ von Heinrich von Kleist, die Metapher der Puppe genutzt wird, um das Ideal eines vollständig manipulierbaren und beherrschbaren Tänzerkörpers zu beschreiben, richtet Rosolen den Blick nun auf die Körper, die eigentlich hinter den Puppen stehen. Rosolen interessiert sich dabei besonders für die Gruppenchoreografien, die entstehen, wenn mehrere Spieler eine große Puppe zusammenführen. Der emotionale Ausdruck der Puppe ebenso wie der harmonische Rhythmus entsteht durch eine besondere Form der zurückgenommenen Synchronisation der Spieler. Zur Vorbereitung des Stücks arbeitete Rosolen nicht nur in Frankfurt und Darmstadt. Sie war auch Residentin des Goethe-Instituts in der Villa Kamogawa in Kyoto und forschte dort zum japanischen Puppenspiel „Bunraku“.

Puppets_Titel
© Jörg Baumann

Paula Rosolen studierte Tanz an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt sowie Choreografie und Performance an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich regelmäßig mit ignorierten Phänomenen in Tanz und Theater und untersucht diese auf ihre choreografischen Potentiale. In ihrem Stück „Aerobics! Ein Ballett in drei Akten“, mit dem sie den renommierten Preis „Danse élargie“ im Pariser Théâtre de la Ville gewann und zur Tanzplattform Deutschland 2016 eingeladen wurde, dekonstruiert sie die Bewegungsmuster von Aerobic und schließt sie mit Kompositionsprinzipien des romantischen Balletts kurz.

Paula Rosolens Arbeiten wurden in Deutschland sowie international in wichtigen Theatern und Festivals aufgeführt, u.a. bei ZKM Karlsruhe, Pact Zollverein, Frankfurt LAB, Künstlerhaus Mousonturm, Kampnagel, European Festival for Contemporary Dance Poland und Centro Cultural de la Cooperación in Buenos Aires.

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