Vermittlungsresidenzen

Die Vermittlungsresidenzen der Tanzplattform Rhein-Main sind europaweit einmalig. Gefördert wird die Neu- und Weiterentwicklung von Tanzvermittlungsprojekten, die das Publikum auf unterschiedliche Weise involvieren. Dabei sind sowohl praktische als auch theoretische Partizipations- und Inklusionskonzepte möglich – präsentiert als punktuelle Veranstaltungen vor Aufführungen, als längerfristige Workshops oder Kooperationsprojekte.

Pinsker und Bernhardt: Heute mobben wir die Birds
© Jörg Baumann

Janna Pinsker & Wicki Bernhardt

Janna Pinsker und Wicki Bernhardt arbeiten als Performanceduo mit Schwerpunkt in Frankfurt und Berlin. Sie lernten sich in Gießen kennen, wo sie Choreografie und Performance bzw. Angewandte Theaterwissenschaft studierten. Zuvor studierte Wicki Bernhardt Musik und Bewegung an der UdK Berlin, Janna Pinsker Soziologie und Dokumentarfilm an der University of Chicago. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist, den Formenkanon für junges Publikum mit unüblichen Formaten wie Lecture Performances, Durational Performances oder nicht-narrativen Ansätzen zu erweitern. Als Fortsetzung ihrer Arbeit an „Heute mobben wir die Birds“ am Künstlerhaus Mousonturm werden sie sich in einer siebenmonatigen Residenz mit dem Theater als Brutstätte für eine Lust am Nicht-Verstehen auseinandersetzen.

“Die Vermittlungsmaschine schlägt zu”

Ein Stück gesehen und nichts verstanden? In ihrer siebenmonatigen Vermittlungsresidenz, die an ihre erste Vermittlungsresidenz anschließt (s.u.), verschaffen Janna Pinsker und Wicki Bernhardt der Lust am Nichtverstehen und Nichtwissen einen Raum. Vor oder im Anschluss an einzelne Vorstellungen im März 2018 entwickeln sie mit dem Publikum Forschungsaufträge, welche die Wahrnehmung und die eigenen Strategien des Verstehens auf die Probe stellen. Die Vermittlungsmaschine schlägt zu mit Spekulationen, Gesprächen mit Gegenständen aus den Stücken und einem gigantischen Scrabble-Spiel!

“Die Vermittlungsmaschine schlägt zu II”

Ein Stück taucht auf. Und verschwindet. Und mit ihm das Publikum. Janna Pinsker und Wicki Bernhardt suchen die Reste. Nach einer intensiven Scrabble-Serie im März schlägt die Vermittlungsmaschine im Mai wieder zu, dieses Mal mit Spekulationen über das, was nach der Aufführung noch bleibt, und Gesprächen mit Gegenständen und Szenen aus den Stücken.

“Die Vermittlungsmaschine schlägt zu III

Nach der Vorstellung: Die Bühne ist leer, da wo eben noch etwas passiert ist. Gemeinsam mit dem Publikum betreten Janna Pinsker und Wicki Bernhardt erneut den Aufführungsort und suchen die Reste. In ihrer siebenmonatigen Vermittlungsresidenz verschafft das Performanceduo der Lust am Nichtverstehen und Nichtwissen einen Raum. Nach ausgewählten Vorstellungen laden sie das Publikum ein, die Wahrnehmung und die eigenen Strategien des Verstehens auf die Probe zu stellen. Im Juni schlägt die Vermittlungsmaschine gleich zweimal zu, mit dem Versuch, das Löxsi* des Publikums mit choreografischen Formationen zu verorten und mit einer Führung durch den Bühnenraum, welche die Nebenschauplätze des Stücks in den Fokus rückt.
*Löxsi: Das Gefühl zum Stück, das man gerade gesehen hat, bevor man sich mit anderen austauscht.

“Heute mobben wir die Birds”

Am Anfang des Entstehungsprozesses von “Heute mobben wir die Birds” stand das Interesse herauszufinden, auf was man eigentlich Lust hat. Was will man als Performerin auf der Bühne machen? Was will sie, die Bühne, zeigen? Was interessiert die Performerinnen eigentlich? Es passiert schon manchmal, dass man das in Produktionsprozessen vergisst oder aus den Augen verliert, wenn man sich schon auf etwas anderes eingefahren hat, das man dann aber nicht mehr loswird – oder loswerden will… Letztendlich ist es diese Frage, die sich Janna Pinsker und Wicki Bernhardt gemeinsam und gegenseitig stellen: Was wollen wir eigentlich auf dieser Bühne da machen? Heute mobben wir die Birds ist ein Stück über eine Performance, die keine ist und eine Performance über ein Stück, das keins sein will. Mit Szenen, die sich zueinander verhalten und gleichzeitig eigenständig und unabhängig sind, Material, das im Verhalten unterschiedlicher nicht sein könnte und die Performerinnen zu außergewöhnlichen Maßnahmen zwingt.

Als eine anarchische Einführung in die Lust am Theater kreierte das junge Tanz- und Performance-Duo Janna Pinsker und Wicki Bernhardt im Rahmen ihrer Vermittlungsresidenz 2017 am Künstlerhaus Mousonturm dieses Stück für Zuschauerinnen und Zuschauer ab 11 Jahren.

Konzept, Choreografie und Performance: Janna Pinsker und Wicki Bernhardt | Kostüm und Requisite: Kristin Gerwien | Licht: Charlotte Bösling | Produktion und Projektbegleitung: Nele Beinborn

Prof. Thorsten Greiner

360 Grad-Film & Ballett

360-Grad-Filme werden immer häufiger in Sozialen Medien wie YouTube, Facebook oder Vimeo zur Vermittlung verschiedenster Inhalte genutzt. Auch die Kunst-Community entdeckt dieses neue Medium für sich. In 360-Grad-Filmen können Zuschauer eine neue Art der Immersion erleben, indem sie sich im Film eigenständig umschauen und umhören. Durch 360-Grad-Filme, ähnlich wie bei anderen virtuellen Realitäten, ergeben sich neue Möglichkeiten und Herausforderungen in der Dramaturgie, der Bildsprache und der auditiven Erzählstruktur: Die Aufmerksamkeit der Benutzer muss z. B. sowohl auditiv als auch visuell gelenkt werden.

Ab März 2018 untersucht Prof. Thorsten Greiner im Rahmen unserer Vermittlungsresidenz wie 360 Grad-Filme eingesetzt werden können, um dem Publikum einen Einblick in die Entstehung und Ideenwelt eines Ballettstücks zu geben. Dabei wird auch erforscht, welche Inhalte sich überhaupt für ein solches Medium eignen, ohne den Schutzraum des Probenprozesses zu stören.

Interaktives Nachgespräch mit Jason Jacobs
© Jörg Baumann

Jason Jacobs

Interaktives Nachgespräch

Jason Jacobs entwickelte in der Spielzeit 2016/17 im Rahmen seiner Tanzplattform Rhein-Main-Vermittlungsresidenz beim Hessischen Staatsballett ein Format, das dem Publikum ein Format, das dem Publikum eine ungewohnte Perspektive auf das Gesehene gibt: Das interaktive Nachgespräch bringt das Erleben des Publikums mit der Körperlichkeit der Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne zusammen und ermöglicht dem Publikum so ein ganz eigenes Gefühl für die Bewegungskonzepte der verschiedenen Produktionen.

Der in Frankfurt lebende Jason Jacobs ist Tänzer, Choreograf und Dozent in Europa und den USA. Als Tänzer war er in Stücken u. a. von Hofesh Shechter, Johannes Wieland und Complexions Contemporary Ballet zu sehen, bevor er 2014 seinen Master-Abschluss in Contemporary Dance Education an der HfMDK Frankfurt machte.

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