Lina Lindheimer | As We Are Waiting

Das erste Stück in der „Ensemble Mobil“-Reihe war die Performance „As We Are Waiting“ von der Choreografin Lina Lindheimer. Die Präsentation findet im Warteraum eines Frankfurter Jobcenters statt und macht die Menschen zu Protagonisten, die dort sitzen und warten. Den Raum hat Lina Lindheimer gewählt, weil er einen Zwischenraum bildet – einen Raum zwischen vermeintlichem Nichtstun und wieder-einen-Job-finden, zwischen Stillstand und neuer Bewegung. Doch Warten muss nicht unbedingt Stillstand bedeuten. Choreografinnen und Choreografen verstehen Pausen als Bestandteil von etwas Ganzen. Stillstand existiert für sie nicht. „Was tun wir, während wir nichts tun?“, fragt sich Lina Lindheimer deshalb – und gibt diese Frage an die Wartenden im Jobcenter weiter. Die Performer schlüpfen dann in die Rolle der Wartenden und folgen Träumen und persönlichen Utopien. Gemeinsam schaffen die Anwesenden so einen Perspektivwechsel, der den Blick auf das Potential und die Bewegung im scheinbaren Stillstand schärft.

Die Performance hat an vier Tagen im Februar 2017 im Jobcenter Frankfurt-Ost stattgefunden und wird im Juni 2017 in Jobcentern in Wiesbaden und in Hofheim zur Aufführung gebracht. Sie ist ausschließlich für die Menschen zugänglich, die zum Präsentationszeitpunkt zufällig dort warten.

Idee/Konzeption: Lina Lindheimer | Umsetzung: Katja Dreyer, Mart Kangro, René Liebert, Lina Lindheimer, Lito Walkey | Ton: Nils Weishaupt | Bühne: Anne Kuhn, René Liebert | Performed von: Mart Kangro, Lito Walkey, Katja Dreyer

Mit freundlicher Unterstützung durch das Jobcenter Frankfurt am Main, das Kommunale Jobcenter Wiesbaden und den Kreisausschuss des Main-Taunus-Kreises.

Lina Lindheimer_Portrait_klein
© Lindheimer

Lina Lindheimer, Jahrgang 1979, lebt in Berlin. Sie studierte zeitgenössischen Tanz, Choreografie und Performance in Arnhem und Gießen. Neben ihrer Tätigkeit als Tänzerin und Performerin arbeitet sie seit 2004 auch als Choreografin. Sie entwickelt sowohl eigene Stücke, als auch Gemeinschafts- und Auftragsarbeiten, u.a. für das Collaboration in Arts-Projekt in Estland, den Pact Zollverein, die Semperoper Dresden und das Harlekijn Danstheater von Herman von Veen. Von der Fabrik Potsdam und am K3-Zentrum für Choreografie auf Kampnagel in Hamburg wurde sie als Residenzchoreografin eingeladen. Lina Lindheimers Werke beziehen oft eine Außenperspektive auf den zeitgenössischen Tanz ein, so hat sie zum Beispiel für die Produktion „Berliner Tänzer“ (2004) alle Menschen, die im Berliner Telefonbuch unter dem Namen Tänzer aufgeführt waren, zum Thema Tanz befragt. Und für die Choreografie „SOLO (Standing on the shoulders of giants)“ (2007) arbeitete sie ausschließlich mit Bewegungen von Passanten, die sie zufällig in Hamburg traf und die keine Profitänzer waren.

Nach oben