Raimonda Gudavičiūtė

M(e)&M(other) – Tanzprojekt (und Kurzfilm)

13.-17.7.2020 | Mousonturm Frankfurt

In diesem Projekt werden die Rolle der Künstlerin und die Rolle der Mutter untersucht, neben- und gegen-einander gestellt, verglichen, ausgewertet. Kinderwunsch und das Familienleben einer Frau werden als natürlich angesehen und diesbezüglich bedingte Einschränkungen in der Hinsicht auf Karriere werden immer noch nur leise thematisiert. Viel deutlicher offenbart sich diese Problematik in der Tanz-Welt, wo die Körperlichkeit einer Frau als ein Arbeitsmedium fungiert und die Schwangerschaft/Mutterschaft viel stärker den Arbeitsalltag einer Künstlerin beeinträchtigt. In der Praxis erweist es sich immer wieder als schwierig sowohl engagierte und fürsorgliche Mutter, als auch kreative Künstlerin zu sein.

Raimonda Gudavičiūtė: “Auch für mich war in den vergangenen Jahren meine Rolle als Mutter viel präsenter als meine Selbstverwirklichung als Künstlerin. Dann zwingt uns eine weltweite Pandemie von heute auf morgen alle zu Hause zu bleiben. Nach Außen leben wir social distancing, innerhalb der Familie verbringen wir die Zeit plötzlich Haut an Haut zusammen – im 24/7-Format. Der routinierte Tagesablauf wird auf den Kopf gestellt und es entstehen komplett neue Muster. Vor allem aber wird aus „Zeit für mich“ alternativlos „Familienzeit“. Und während ich wie viele meiner Kollegen von zu Hause arbeite – unterrichte, kreiere, improvisiere – merke ich wie meine Kinder, vor allem mein Sohn, 7 Jahre alt, plötzlich an meiner Arbeit teilhaben wollen. Und ganz entgegen meiner Erwartung erweist sich diese Zusammenarbeit als für beide Seiten sehr anregend und erfrischend. In dem kreativen Umfeld, das ich ihm bieten kann, erforscht er für ihn ganz neue Denk-, Entdeckungs- und Lernprozesse. Er lässt auch sein Eigeninteresse am Tanz und seine eigenen Bewegungen aus seinem Breakdance-Unterricht in meine Arbeit mit einfließen. Ich erkenne eine gänzlich neue Mutter-Sohn-Ebene, auf der wir während des Tanzens kommunizieren. Er sieht in mir, in diesen Momenten mehr die Tänzerin als die Mutter.”

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