Residenz an Schulen

Herbst/Winter 2020 an der IGS Herder, Frankfurt

Mit der Schulresidenz erhalten zwei künstlerische Teams die Möglichkeit mit der Partnerschule der Tanzplattform Rhein-Main, der IGS Herder in Frankfurt, zu kooperieren. Die Künstler*innen erforschen praktisch, wie körperbezogene choreografische Arbeit mit Schü-ler*innen in Zeiten von sich rasch verändernden Umständen möglich ist. Für zwei Monate werden Zwischenräume der Schule, der Schulhof, die Flurwände oder die Caféteria, mit ex-perimentellen Interventionen besetzt und künstlerisches Arbeiten an Schulen erforscht.

Tümay Kılınçel & Cornelius Schaper

“Im Raum gibt es was zu sehen und man kann Dinge wahrnehmen aber auch nicht richtig.”

“Der Flur ist Alltag, da werde ich immer gesehen und gefordert (und man wird gesehen) und die Ecke ist ein Rückzugsort für mich.”

(Lehrer*innen und Schüler*innen zur Rauminternvention)

Die Choreografien und Performerin Tümay Kılınçel und der Medienkünstler Cornelius Schaper haben sich während ihrer Residenz an der IGS Herder mit dem Objekt des Spiegels beschäftigt und mit ihm das Selfie in die analoge Welt geholt. Das eigene Gesicht durch einen Spiegel verdeckt treten sie mit Schüler*innen in Kontakt. Anstatt in einen Dialog mit der Mimik des Gegenüber treten zu können, müssen die Schüler*innen sich mit ihrer eigenen Spiegelung auseinandersetzen.
Als Objekt haben Kılınçel und Schaper im Flur der IGS Herder einen Spiegelraum geschaffen. Vormals eine Abstellfläche zieht dieser Ort nun die Schüler*innen zu sich. Die hinterlassenen Fingerabdrücke auf der spiegelnden Oberfläche, sind Spuren des wortwörtlichens Befassens der Schüler*innen mit der Installation – Likes in einer analogen Welt.

Tümay Kılınçel und Cornelius Schaper interessieren sich in ihrer seit 2014 bestehenden Zusammenarbeit für die Zusammenführung von zeitbasierten Medien und Bewegung. In ihren Arbeiten werden vorhandene Strukturen des öffentlichen Raumes neu geordnet, umgedeutet und unterwandert; Wechselwirkungen von Innen und Außen, Privat und Öffentlich, Einschluss und Ausschluss durchleuchtet. Sie schaffen digitale Spielräume mit einer physischen Performativität außerhalb des konventionellen Theaterraums.

Gemeinsame Arbeiten: FLUX-Residenzen (2019-20) SELFIE und SELFIE2; FFT-Freischwimmer Produktion Dance Box (2014) mit Gastspielen (Zürich Tanzt (2016), theaterszene europa (Köln, 2016), Favoriten Festival (Dortmund, 2016). 2020 erhielten sie zusammen mit Jungyun Bae das NRW-Mentoring Programm (Thema Räume). Im Herbst starteten sie die Mousonturm Künstler-Residenz an der Herderschule FFM.

Tümay Kılınçel (Choreographie, Performance) befasst sich mit Machtverhältnissen. Projektauswahl: Fachtag zu Tanz und Rassismus: The Other Body (Schillertheater Berlin, 2020); Dansöz (Koproduktion mit HAU, FFT, Mousonturm, Treibstoff Basel; 2019); Flausen Residenz (Theater im Ballsaal Bonn, 2018).

Cornelius Schaper (Medienkunst) beteiligt sich an Inszenierungen mit Videoarbeiten, setzt sich mit dokumentarischen Formen auseinander und gestaltet eigene kulturelle Inhalte. Projektauswahl: INTER.PHASE mit Adrián Castelló (2019); 3TageRaum Holthausen, gádže blicke mit Sabine Reimann (2018,2019).

Jorma Foth

Die zweite Residenz an der IGS Herder ist mit dem bildenden Künstler Jorma Foth besetzt. Im Rahmen der Residenz wird erforscht, wie im Rahmen der (Bewegungs-)Regeln an der Schule sich trotzdem fantasievoll bewegt werden kann. Als ein erstes Zwischenergebnis manifestierte sich dazu folgendes zwei auf zwei Meter große Schiebebild, welches mit den Füßen verändert werden kann. Dabei werden verschiedene individuelle Motive möglich und die Platten werden in regelmäßigen durch neue ersetzt.

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