Residenz an Schulen

an der IGS Herder, Frankfurt

Mit der Schulresidenz erhalten künstlerische Teams die Möglichkeit mit der Partnerschule der Tanzplattform Rhein-Main, der IGS Herder in Frankfurt, zu kooperieren. Die Künstler*innen erforschen praktisch, wie körperbezogene choreografische Arbeit mit Schüler*innen in Zeiten von sich rasch verändernden Umständen möglich ist. Für zwei Monate werden Zwischenräume der Schule, der Schulhof, die Flurwände oder die Caféteria, mit experimentellen Interventionen besetzt und künstlerisches Arbeiten an Schulen erforscht.

Sharon Jamila Hutchinson & Dominik Keggenhoff

Juni-Juli 2021

Sharon Jamila Hutchinson studierte zunächst Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz, bevor sie ihr Studium am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft sowie der Paris 8, Saint Denis, Paris fortsetzte. In den letzten Jahren verfolgte sie stetig die Verwebung wissenschaftlicher und
künstlerischer Interessen, um so Räume der gegenseitigen Informierung künstlerischer und dokumentarischer Tätigkeit zu kreieren. In sich ergänzenden Kontexten ist sie so neben ihrem Studium beruflich als Performerin, Choreographin und Filmemacherin tätig.

Vom Tagebuchschreiben auf einsamen Inseln (AT)

Im Rahmen ihrer Residenz an der IGS Herder recherchiert Hutchinson ausgehend vom Begriff des Journals entlang seiner Doppeldeutigkeit im Sinne des Tagebuchs einerseits und der Zeitung andererseits zu junger Autor*innenschaft, Autobiographie, Autofiktion und ihrer journalistischen wie historisierenden Relevanz.
In ihrer Videoarbeit begegnet sie choreographisch wie textlich der Praxis des tagtäglichen Dokumentierens auf spielerische Art und Weise, sich durch einen Parcours bewegend, der in der Sporthalle der IGS Herder aufgebaut ist, wo Turnbock, Sprungkasten und Trampolin zu einer einsamen Inselgruppe verschmelzen, wo archivierte Journalfragmente eingeübt werden und auf dem Weg verloren gehen können. Ein fantastischer Ort, an dem das tagtägliche Festhalten zur Notwendigkeit für all jene wird, die dem Wahnsinn entrinnen wollen

Dominik Keggenhoff

Dominik Keggenhoff arbeit interdisziplinär an den Rändern der Installation, digitalen Kunst und Performance. Er entwickelte seine Bühnenpraxis aus der Mitbegründung und Teilnahme an dem Party- und DIY Performance Format „opencreek shownight“. Er ist außerdem Teil der Performancegruppe „Baby of Control“.

In der Residenz verfolgt er eine nach innen wie nach außen gerichtete Befragung zu den Themen Distanz und Abstand. Während die pandemiebedingten Vorschriften zu diesem Thema klare Regelungen haben,ist der variable innere Abstand, etwa der der Schüler*innen zu der eigenen Zukunft, des Künstlers zu der vergangenen Schulzeit und der Kunst zur Systemrelevanz, ein weitaus komplexeres Thema. In dem Versuch, eine „Residenz“ ausgerechnet in Ausnahmezeiten an einer Schule zu etablieren, integriert sich die Kunst, wie auch der Künstler, als Fremdkörper und Artefakt in die Schule. Dabei soll eine atmosphärische Installation und Materialsammlung entstehen, die, didaktisch aufbereitet, wieder an die Schule zurück gegeben werden soll.

Tümay Kılınçel & Cornelius Schaper

“Im Raum gibt es was zu sehen und man kann Dinge wahrnehmen aber auch nicht richtig.”

“Der Flur ist Alltag, da werde ich immer gesehen und gefordert (und man wird gesehen) und die Ecke ist ein Rückzugsort für mich.”

(Lehrer*innen und Schüler*innen zur Rauminternvention)

Die Choreografien und Performerin Tümay Kılınçel und der Medienkünstler Cornelius Schaper haben sich während ihrer Residenz an der IGS Herder mit dem Objekt des Spiegels beschäftigt und mit ihm das Selfie in die analoge Welt geholt. Das eigene Gesicht durch einen Spiegel verdeckt treten sie mit Schüler*innen in Kontakt. Anstatt in einen Dialog mit der Mimik des Gegenüber treten zu können, müssen die Schüler*innen sich mit ihrer eigenen Spiegelung auseinandersetzen.
Als Objekt haben Kılınçel und Schaper im Flur der IGS Herder einen Spiegelraum geschaffen. Vormals eine Abstellfläche zieht dieser Ort nun die Schüler*innen zu sich. Die hinterlassenen Fingerabdrücke auf der spiegelnden Oberfläche, sind Spuren des wortwörtlichens Befassens der Schüler*innen mit der Installation – Likes in einer analogen Welt.

Tümay Kılınçel und Cornelius Schaper interessieren sich in ihrer seit 2014 bestehenden Zusammenarbeit für die Zusammenführung von zeitbasierten Medien und Bewegung. In ihren Arbeiten werden vorhandene Strukturen des öffentlichen Raumes neu geordnet, umgedeutet und unterwandert; Wechselwirkungen von Innen und Außen, Privat und Öffentlich, Einschluss und Ausschluss durchleuchtet. Sie schaffen digitale Spielräume mit einer physischen Performativität außerhalb des konventionellen Theaterraums.

Gemeinsame Arbeiten: FLUX-Residenzen (2019-20) SELFIE und SELFIE2; FFT-Freischwimmer Produktion Dance Box (2014) mit Gastspielen (Zürich Tanzt (2016), theaterszene europa (Köln, 2016), Favoriten Festival (Dortmund, 2016). 2020 erhielten sie zusammen mit Jungyun Bae das NRW-Mentoring Programm (Thema Räume). Im Herbst starteten sie die Mousonturm Künstler-Residenz an der Herderschule FFM.

Tümay Kılınçel (Choreographie, Performance) befasst sich mit Machtverhältnissen. Projektauswahl: Fachtag zu Tanz und Rassismus: The Other Body (Schillertheater Berlin, 2020); Dansöz (Koproduktion mit HAU, FFT, Mousonturm, Treibstoff Basel; 2019); Flausen Residenz (Theater im Ballsaal Bonn, 2018).

Cornelius Schaper (Medienkunst) beteiligt sich an Inszenierungen mit Videoarbeiten, setzt sich mit dokumentarischen Formen auseinander und gestaltet eigene kulturelle Inhalte. Projektauswahl: INTER.PHASE mit Adrián Castelló (2019); 3TageRaum Holthausen, gádže blicke mit Sabine Reimann (2018,2019).

Jorma Foth

Die zweite Residenz an der IGS Herder ist mit dem bildenden Künstler Jorma Foth besetzt. Im Rahmen der Residenz wird erforscht, wie im Rahmen der (Bewegungs-)Regeln an der Schule sich trotzdem fantasievoll bewegt werden kann. Als ein erstes Zwischenergebnis manifestierte sich dazu folgendes zwei auf zwei Meter große Schiebebild, welches mit den Füßen verändert werden kann. Dabei werden verschiedene individuelle Motive möglich und die Platten werden in regelmäßigen durch neue ersetzt.

Nach oben