Fotos: Jan Bosch

PINSKER+BERNHARDT

Body Boom Boom Brain (Vol. II) – no one escapes p*b*rt*y

Eine Horrorkomödie für alle ab 12 Jahren!

Während der Corona-Pandemie passiert in einem Theater irgendwo in Deutschland etwas Merkwürdiges: Der leere Vorstellungssaal kommt in die Pubertät. Die Personal-Crew starrt erstaunt nach oben an die Decke des Saals, wo während der letzten Wochen des Lockdowns ein riesiges Objekt gewachsen ist. Die Chefin meldet sich per Telefon: „Keke sagt, wir sollen das Schamhaar erstmal hängen lassen.“ Aber noch während das Personal diese Anweisung entgegennimmt, kündigen sich weitere Veränderungen an im Theaterraum. Willkommen im Universum der fucking P*b*rt*t! Wäre echt nett, wenn mal jemand helfen würde. Wenn die wachsenden Körperteile, Flüssigkeiten und Stimmungsschwankungen mal eine klare Ansage machen könnten, wie man mit ihnen umgehen soll – vor allen Dingen jetzt, wo niemand sonst da ist. PINSKER+BERNHARDT laden in ihrem Kurzthriller Body Boom Boom Brain alle ab 12 Jahren ein, die fucking P*b*rt*t als den ultimativen Brain-Body-Killer aller menschlichen Zustände zu ergründen. Das Theater wird dafür zum Körper-Laboratorium, in dem wachsende Pickel und Schamhaare das Kommando übernehmen, während das Personal versucht, diesem absurden Spektakel auf den Grund zu gehen.

Im Zeitraum 28.03 – 15.04. steht das Video ab dem Kauf auf Vimeo on Demand für 24 Stunden zur Verfügung. Preis: € 5
Die Show wird über Vimeo on Demand zur Verfügung gestellt. Zum Ausleihen muss man sich bei Vimeo (einfach, kostenlos und einmalig) registrieren (Datenschutzhinweis).

Für alle ab 12 Jahren
Dauer: ca. 40 min.
Sprache: Deutsch
In diesem Film gibt es Passagen mit Stroboskop (schnell pulsierendes Blitzlicht)

Mousonturm-Koproduktion

Audio-Cool-Down

Nach den Veranstaltungen laden wir zu einem digitalen Cool-Down mit Ekaterine Giorgadze und Jason Jacobs ein. Man kann gemeinsam mit anderen auf der Plattform gather.town beim Cool-Down mitmachen (mit Untertiteln) oder individuell mit dem Audio-Cool-Down über Soundcloud.

Hintergrund Infos

Podcast zum Stück: MULTIFON der Mousonturm-Podcast – Folge 3 – Pubertät im Theater

Im Achselhaarwald

Der Körper als Knotenpunkt von Selbstwahrnehmung und Fiktion, Anpassung, Korrektur und Kritik – Janna Pinsker und Wicki Bernhardt schaffen mit ihrer neuen Performance „Boom Boom“ ein Podium für Körper(-teile). Eine Uraufführung für alle ab 12.

VON ANTIGONE AKGÜN

Heute habe ich es nicht geschafft, mich zu melden. Bei meinem Körper. Auch die letzten Monate, ja sogar Jahre nicht. Zumindest nicht bewusst. Diese Körper- Ich-Beziehung ist schon sonderbar. Selbst wenn man nicht einmal Fan vom Leib-Seele-Dualismus bei Descartes ist. Das Ich ist der Körper – und dennoch wird diese Einheit durch eine schleierhafte Trennlinie gestört, welche Einseitigkeit mit sich bringt: Obwohl Ich und Körper die alltäglichen Reizüberflutungen von individuellen Erfahrungen einerseits und großen sozialen, politischen und kulturellen Normen und Erwartungen andererseits stets als Team zu meistern versuchen, sucht nur der Körper den Dialog zum Ich. Und auch nur dann, wenn es etwas höchst Dringliches zu besprechen gibt.

Dann erfüllt der Körper das Ich mit pochenden Schmerzen oder durchflutet das Gesicht mit rötlicher Farbe, während es zugleich die Temperatur hochschraubt. Ansonsten hat der Körper das Ich durch alle Lebenslagen zu begleiten – immer sein bestes Gesicht zeigend und Mannigfaltiges erduldend: Im gegenwärtigen Zeitalter der fortwährenden Selbstoptimierung verdient sich der Körper seine Liebe nicht selten lediglich, wenn er den gesellschaftlichen Leistungsansprüchen gleichkommt. Aber erfährt der Körper denn jemals Liebe? Oder findet er zumindest Gehör? Wie ist es bei Ihnen? Wann haben Sie sich das letzte Mal mit Ihrem Bein auf den Balkon gesetzt und nachgefragt, wie es ihm geht? Und würden Sie mit ihrem Bein auch dann sprechen, wenn es behaart oder jenseits der Norm wäre? Auf dem Balkon – vielleicht. Aber auf einem öffentlichen Platz und gänzlich ohne Scham?

Scham. Auch so eine Sonderbarkeit in der Körper-Ich-Beziehung. Ausgelöst durch isolierende Mechanismen einer Gesellschaft, welche aus gezielten Machtinteressen heraus über die Norm bestimmen und alle anderen Körper abwerten oder diskriminieren will.

Doch was passiert, wenn das Ich diese Mechanismen der gesellschaftlichen Blick- und Identitätspolitiken reflektiert und gemeinsam mit einzelnen Körperteilen revoltiert, um alle Körper in ihrer Diversität zu ermächtigen? Dieser Frage und Aufgabe hat sich das Choreografie- und Performance-Duo PINSKER+BERNHARDT angenommen. In ihrer neuen Arbeit „Boom Bom“ wollen sie das menschliche Scham-Empfinden untersuchen und durch verschiedene Ebenen von Choreografie, Sounddesign und Performance einen Dialog zwischen Mitwirkenden, Publikum und besonders großen und kleinen Körperobjekten herstellen, um über den Körper als Knotenpunkt zwischen Eigenwahrnehmung und Fiktion, zwischen Anpassung, stetiger Korrektur und Kritik nachzudenken.

PINSKER+BERNHARDT, die seit 2017 bereits mit Objekten arbeiten und darüber sehr gelungen auf abstrakte Weise sozialpsychologische Phänomene verhandeln, richten sich auch dieses Mal an ein Publikum ab 12 Jahren: und ermöglichen so vielleicht ein Empowerment in einem phantasmagorisch schweißtropfenden Achselhaarwald.

Biography

PINSKER+BERNHARDT

Janna Pinsker und Wicki Bernhardt arbeiten als Performanceduo mit Basis in Frankfurt am Main und Berlin. Sie haben sich in Gießen kennengelernt, wo sie Choreographie und Performance sowie Angewandte Theaterwissenschaft studierten. Das Duo macht Stücke für ein junges und altersgemischtes Publikum, die einen fantastischen und sympathischen Blick auf die Unzulänglichkeiten des Menschen werfen. Dabei spielt das Spannungsfeld zwischen Bühnen- und Szenenmaterial, Repräsentation und reiner Materialität eine zentrale Rolle. Janna Pinsker und Wicki Bernhardt waren Teilnehmerinnen der internationalen Forschungsresidenz next generation workspace, eine Kooperation zwischen dem Künstlerhaus Mousonturm und dem Festival Starke Stücke und Teil des PAP Mentoring Programms in Berlin. 2018 haben sie sieben Monate in einer Vermittlungsresidenz am Mousonturm szenisch zum Thema „Die Lust am Nicht-Verstehen“ geforscht. Dabei entstanden verschiedene Formate, wie ein gigantisches Scrabble-Spiel, bei dem man nach einer Aufführung über das Gesehene spekulieren kann.

Cast & Credits

Konzept, künstlerische Leitung: Janna Pinsker und Wicki Bernhardt
Performance: Wicki Bernhardt, Frithjof Gawenda, Johannes Karl
Bühne und Objekte: Arnita Jaunsubrēna
Kostüme: Martha Pinsker
Musik: Jan Preißler
Sound: Max Smirzitz
Kamera: Cornelius Schaper
Künstlerische Mitarbeit/ Assistenz]: Maria Werner
Produktionsleitung: Lisa Gehring
Licht: Matthias Rieker
Ton: Ingo Müller

Eine Produktion von PINSKER+BERNHARDT in Koproduktion mit dem Künstlerhaus Mousonturm im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser und der Tanzplattform Rhein-Main und dem Jungen Nationaltheater Mannheim. Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Koproduktionsförderung Tanz, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie der Stiftung der Nassauischen Sparkasse für Kultur, Sport und Gesellschaft und durch f.f.m – Freunde und Förderer des Mousonturms. PINSKER+BERNHARDT wird unterstützt durch die Mehrjahresförderung des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main. Die Tanzplattform Rhein-Main, ein Projekt von Künstlerhaus Mousonturm und Hessischem Staatsballett, wird ermöglicht durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und gefördert vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stiftungsallianz [Aventis Foundation, BHF BANK Stiftung, Crespo Foundation, Dr. Marschner-Stiftung, Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main]. Das Bündnisses internationaler Produktionshäuser ist gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

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